Piraten-Planet

28. July 2016

Klabautercast der Oberfränkischen Piraten

Folge 141: BVV Tempelhof-Schöneberg

In dieser Folge spricht maha mit Ute und Andreas, den Spitzenkandidaten für die Piraten in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg. Die BVV ist sozusagen das Pendant einer Stadtverordnetenversammlung in einem Flächenstaat. Ute und Andreas berichten über die Arbeit der zurückliegenden fünf Jahre und darüber, was sie für die kommende Legislatur planen.

by Martin 'maha' Haase at 28. July 2016 10:17 AM

Bewild-Online.de - Mein Stift, mein Zettel, mein Blog!

Gastbeitrag: Cannabis – eine Betrachtung

Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Gastbeitrag des Autors “sr.josi”.
Er wurde mir mit der Bitte um Veröffentlichung in diesem Blog zugeschickt, der ich gerne nachkomme. Viel Spaß beim Lesen.

Cannabis – eine Betrachtung

Nein, ich konsumiere nicht. Und ja, ich würde gerne konsumieren.

Warum? So lautet nun die nächste Frage. Ganz kurz und allgemein lässt sich das nicht beantworten. Dazu erst einmal nur: der Cannabisrausch ist viel angenehmer, leichter, endet schneller und ist weniger gesundheitsschädlich als der Alkoholrausch.

Meiner Meinung nach ist die Grundfrage zu dem Thema ganz klar: warum sich überhaupt berauschen? Ich habe im Laufe meines Lebens herausgefunden, dass es nun einmal Menschen gibt, die mit dem Zustand Rausch nichts anfangen können und Menschen, die den Rausch suchen. Erstgenannten wird es niemals möglich sein zu verstehen warum. Diese werden auch immer für ein generelles Verbot aller Rauschmittel sein. Nun hat aber die Geschichte ganz klar gezeigt, dass ein generelles Verbot von Rauschmitteln nur negative Effekte bringt. Anscheinend ist die andere Gruppe der Menschen, die den Rausch mögen, sehr groß und sehr findig, wenn es darum geht, Verbote zu umgehen.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist immer wieder über eine Regulierung des vorhandenen Cannabismarktes gesprochen worden und es wird von den Gegnern immer wieder in Frage gestellt, ob es dadurch gelingen würde, den Schwarzmarkt auszutrocknen.

Ich frage Sie jetzt: Wann wurde Ihnen das letzte Mal schwarz gebrannter Schnaps von fragwürdiger, ja gar gesundheitsgefährdender Qualität angeboten? Nie? Dann geht es Ihnen da genauso wie mir. Das ist der Erfolg des legalen Zugriffs auf das Rauschmittel Alkohol.

Nun, wie kommt ein Mensch in Deutschland dazu Cannabis, zu konsumieren?

Dazu mein Beispiel:
In der Schule wurde uns in der sogenannten Drogenaufklärung von den Lehrern und dem netten Polizisten erklärt, dass man nach dem dritten Joint süchtig ist und wenn man erst einmal süchtig ist, innerhalb kürzester Zeit tot mit einer Nadel im Arm auf der Bahnhofstoilette liegt. Wenn es denn nicht ganz so schlimm kommt, wird man aber mindestens arbeitsunfähig, führerscheinlos (dazu später mehr), oder zu einer sonst wie gearteten Belastung für die Gesellschaft.

Mit 13 Jahren glaubte ich das natürlich alles.
Mit 14 hieß es von einer Gruppe älterer Jugendlicher, dass diese „kiffen”. Das Interessante war, wie ich 15 Jahre alt war, hieß es das immer noch und mit 16 auch noch. Keiner von denen endete an der Nadel oder wurde zu einer Belastung für die Gesellschaft. Die haben alle gearbeitet, und stellen Sie sich vor, die arbeiten immer noch!

Auf jeden Fall weckte diese durch mich selbst gemachte Beobachtung erste Zweifel an der Richtigkeit der in mir durch die Drogenaufklärung geweckten Ängste. Eines mögen Jugendliche gar nicht, verarscht zu werden. Das mag ich übrigens auch heute immer noch nicht.

So fing ich an, mich über das Kiffen zu belesen, und musste feststellen, ich wurde tatsächlich verarscht. Damit war der Grundstein für einen insgesamt 10jährigen Konsum gelegt. Ca. 8 Jahre lang davon täglich. Die Beschaffung war nie ein echtes Problem.

Oh, mein Gott: total süchtig? Was bedeutet Cannabissucht? Der Suchtfaktor wird durch die Wissenschaft irgendwo zwischen Kaffee und Nikotin eingestuft. Ich kann das bestätigen, es tendiert aber eher zum Kaffee, da es sehr leicht ist damit aufzuhören. Auf jeden Fall sehr viel leichter als die Zigaretten sein zu lassen!

Sucht. Klingt irgendwie nach Leid und Verderben.Ich habe nie unter meinem Konsum gelitten, im Gegenteil: ich habe die Substanz immer benutzt! Benutzt, um der körperlich harten und zeitintensiven Arbeit meiner jungen Jahre stand zu halten.

Sowohl in Stunden als auch in Kilokalorien habe ich in dieser Zeit die höchste Leistung erbracht. Also das wird nix mit arbeitsscheuem oder gar arbeitsunfähigem Gesindel. Den Unsinn bekommt niemand im Gespräch an mir vorbei.

/Ach und stellen Sie sich vor ich habe mein ganzes bisheriges Leben gearbeitet wie ein Pferd./

Nach dem jahrelangem Konsum war es mein Wunsch, die Welt mal ohne Rausch zu erleben, der zur Beendigung führte. Von heute auf morgen und völlig ohne Schwierigkeiten. Kein Zittern, keine Schweissausbrüche, keine Angst, Schmerzen oder ähnliches!

Worin hat denn nun die Sucht bestanden?

Der größte Vorteil des Cannabiskonsums ist auch zugleich sein größter Nachteil.
Was bewirkt der gelegentliche oder regelmäßige Konsum beim Konsumenten? Ganz klar, das Zeug macht zufrieden!

Der zufriedene Mensch neigt dann eben nicht mehr zum Power-Shopping oder zum ständigen Streben nach mehr Reichtum, Anerkennung, teureren Autos…!

Ein Feindbild für die Wirtschaft.

Aber er ist auch nicht bereit zu kämpfen. Wenn ich heute höre, dass bei über 30 Demonstrationen für eine Regulierung des Cannabismarktes in Deutschland gerade mal lächerliche 10.000 Menschen auf die Straße gehen, so ist das sehr enttäuschend. Mach ich eine LOVE PARADE, sind an einem Tag 500.000 in einer Stadt auf der Straße. Spricht man aktive Konsumenten auf eine Demo-Beteiligung an, so hat die eine Hälfte Angst, dass am nächsten Tag die GSG 9 die Wohnungstür sprengt und die andere Hälfte flüchtet sich in die Aussage: „Da ändert sich doch sowieso nie etwas.“ Warum sollte ich etwas riskieren, ich bin ja versorgt, ist hier die Devise. Aus diesem Grund hat sich die letzten 30 Jahre auch nichts verändert. Wären da nicht die Patienten, die durch die Hintertür der medizinischen Anwendung immer wieder die Bundesregierungen durch Gerichtsurteile zum Handeln zwingen, hätte sich überhaupt nichts verändert!

Das ganze Thema war mir, nachdem ich mit dem Konsum aufgehört habe, lange nicht mehr wichtig. Nachdem sich aber mit steigendem Lebensalter die Migräne immer weiter verschlimmert hat, der Rücken anwachsende starke Schmerzen verursacht und das Leben mit Frau, Kindern und Arbeit immer hektischer wurde, wurde die Suche nach einem Ausweg für mich dringlicher. Schmerzen? Migräne? Entspannung vom Alltag? *CANNABIS!*

In den Jahren des Konsums hatte ich keine Migräne bzw. konnte die Attacke unterbrechen und auch nur eine einzige Erkältung zur Freude meiner Arbeitgeber.

So bin ich eines Morgens aufgewacht mit dem festen Entschluss, mich für eine Änderung der derzeitigen Drogenpolitik einzusetzen. Viva la Revolution. Einfach die alten Kontakte anknüpfen und los geht’s. Ach nein, durch das Verbrennen getrockneter Pflanzenreste lässt sich ja nichts ändern. (Lach.) Nein, bei der derzeitigen Führerschein-Gesetzeslage sind Cannabiskonsumenten Freiwild. Und ich will ja nicht zu einer Belastung für die Gesellschaft werden, denn die größte Gefahr beim Cannabiskonsum ist im Moment, seinen Führerschein zu verlieren und damit seine wirtschaftliche Grundlage. Es geht nicht darum, ob jemand berauscht gefahren ist! Der Grenzwert ist der kleinste in den Laboren flächendeckend nachzuweisende Wert.
Im Gegensatz zu Alkohol ist der Cannabisrausch nach ca. 2 Stunde verflogen. Im Moment ist es aber so, dass man unter Umständen sogar dann noch den Führerschein verlieren kann, wenn man vor Wochen mal etwas konsumiert hat.

Außerdem habe ich festgestellt, das aktive Konsumenten sich den Mund fusselig reden können, denen wird kein Wort geglaubt. Der arme Süchtige verteidigt ja nur seinen Stoff.
Also illegaler Konsum scheidet aus.
Mittlerweile bin ich Mitglied in diversen Verbänden und Organisationen und versuche mit Geld und Initiative etwas zu ändern.

Anfangs haben mich Stimmen, die eine generelle Freigabe aller Drogen forderten, etwas irritiert. Mir ging es ja vordringlich um Cannabis. Je länger ich mich mit dem Thema, vor allem auch mit der globalen Situation auseinander gesetzt habe, desto mehr musste ich diesen Stimmen recht geben.

Ich halte die Einrichtung von Drogengeschäften, in denen es von Nikotin bis Heroin alles gibt, für sinnvoll. Nur so kann vernünftiger Jugendschutz umgesetzt werden. Erwachsene können dann aber Rauschmittel in kontrollierter Qualität und mit gesundheitlicher Aufklärung kaufen. Der Alkohol ist ein gefährliches Zellgift, an dem in Deutschland täglich 200 Menschen sterben, dieses muss aus den Supermärkten verschwinden!

Eine vernünftige Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere von Jugendlichen, muss erfolgen um die Bürger zu ungefährlichen Konsummustern zu befähigen.

Warum gilt es denn als schick, sich auf der „Wies’n“ bis zum Koma zu besaufen?

Auch hier gilt, wer sich berauschen will, soll das von mir aus gerne tun. Aber muss es immer bis zum bitteren Ende sein? Muss das Ganze dann auch noch medial und seitens der verantwortlichen Politiker als Brauchtum verklärt werden?

Denken Sie darüber nach.

 

by bewild at 28. July 2016 08:02 AM

27. July 2016

Flaschenpost

Medienmittwoch: Basel Tattoo

Logo Medienmittwoch

Audio | CC BY Jonathan Dehn

Audio | CC BY Jonathan Dehn

Der Dudelsack ist in der allgemeinen Wahrnehmung nicht zwingend das Instrument mit dem besten Image. Das mag daran liegen, dass man doch schon sehr versiert im Umgang mit dem trötenden Beutel sein muss, damit das Ergebnis nicht schrecklich schief und schräg klingt. Die Männer und Frauen, die wie euch heute vorstellen wollen, können durchaus als versiert beschrieben werden. Dabei spielt der Dudelsack zwar eine wichtige Rolle, aber auch Trommeln, andere Blasinstrumente und vor allen anderen Dingen, die Koordination. Denn das Thema des heutigen Medienmittwochs ist das Basel Tattoo. Eigentlich eine Großveranstaltung, die ihr ganzes Potential live entfaltet, gibt es teilweise die vergangenen Shows in der Mediathek vom SRF zu sehen. Beim Basel Tattoo handelt es sich genaugenommen um eine Vorzeigeveranstaltung für militärische Musikkorps. Im Gleichschritt marschierende Soldaten, die mit Instrumenten statt Gewehren bewaffnet sind, zeigen dabei, was mit Abstimmung und Zusammenarbeit möglich ist. Das ist dann auch eins der großen Mottos des Basel Tattoo: Die Zusammenarbeit. Da militärische Einheiten der unterschiedlichsten Nationen eine gemeinsam einstudierte Choreographie aufführen, kann man beim Betrachten der Aufführung durchaus die Meinung bekommen, dass die Musik durchaus ein mächtiges Instrument zum Überwinden von nationalen Grenzen darstellt. Natürlich kann der Veranstaltung, dadurch, dass sie eine im Grunde militärische Aufführung ist, ein unangenehmer Geschmack anhaften. Doch was man beim Basel Tattoo sieht, sind nicht öde dahin marschierende Soldaten, die in einem fort eine Marschmelodie nach der anderen spielen, sondern vielmehr musikbegabte Menschen (nicht wenige davon haben einen militärischen oder akademischen Grad in der Musik), die sich sehr viel außergewöhnliches haben einfallen lassen, um die Menschen zu begeistern. So spielten die Finnen dieses Jahr etwa nicht nur die Titelmelodie des Videospielklassikers Zelda, sie führten danach auch noch ein Stück von Michael Jackson auf. Inklusive Beatboxer. Leider wird die Aufzeichnung des diesjährigen Tattoo erst im Laufe des Jahres veröffentlicht, doch auch die Sendungen der vergangenen Jahre, wie etwa die letztjährige Jubiläumsveranstaltung, halten einige Überraschungen bereit. Sicherlich muss man sich stets bewusst sein, dass beim Basel Tattoo eine hintergründige und teils auch sehr offensichtliche Werbung stattfindet. Doch wenn man sich dessen bewusst ist, diesen Teil ausblendet und sich nur auf die Musik konzentriert, erlebt man eine in dieser Art einmalige musikalische Veranstaltung.

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by Peter Oliver Greza at 27. July 2016 12:15 PM

26. July 2016

Klabautercast der Oberfränkischen Piraten

Folge 140: Piraten-Wahlprogramm 2016

Der Piraten-Abgeordnete und -Kandidat Simon Kowalewski spricht mit maha über seine Abgeordnetentätigkeit und über seine Vorhaben für die bevorstehende Legislaturperiode, die sich insbesondere auch im Wahlprogramm der Piraten niederschlagen. Deshalb geht es besonders im zweiten Teil des Podcasts um das Wahlprogramm 2016.

by Martin 'maha' Haase at 26. July 2016 03:37 PM

25. July 2016

Tauss Gezwitscher

Verantwortung in dunklen Zeiten des Terrors

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Logisch. Wenn ich mich in einen Zug setze, will ich gesund nach Hause kommen. Wenn ich auf den Marktplatz oder in ein Einkaufszentrum gehe, will ich ungern abgeknallt werden. Wenn ich ein Konzert oder eine Sportveranstaltung besuche, mag ich weder Selbstmordattentäter mit Sprengstoff noch eine explodierende Gasflasche am Würstchenstand neben mir wissen. Und ich will auch nicht von einem LKW zermalmt werden. Egal, ob der Fahrer ein Islamist oder besoffener Katholik ist.

Wer diese Selbstverständlichkeiten nicht mit mir zu teilen vermag, muss nicht weiterlesen. Wer dann zudem der Auffassung ist, dass alle Übel dieser Welt ohnehin vom Islam ausgehen, auch nicht. Denn in dieses Weltbild passte dann auch nicht der christlich sozialisierte Pilot, der mitsamt seinen Passagieren absichtlich gegen einen Berg rast und einen Rekord an unschuldigen Opfern aufstellt.

Bereits mit diesen Sätzen setze ich mich nun aber dem Verdacht aus, Täter zu entschuldigen und unschuldige Opfer zu verharmlosen. Nicht einmal die Frage nach einem finalen Rettungsschuss darf noch gestellt werden. Ich stelle sie. Auch wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen. Tschüss.

 
Was zu diskutieren wäre….

 
Mit dem Rest der nun eventuell noch Verbliebenen wollte ich in Zeiten des Terrors aber gerne mal ein paar Fragen, auch zum Thema Verantwortung,  diskutieren, die mich bewegen. 140 Zeichen auf Twitter reichen dazu nicht aus.

Es wurden Flüchtlinge ins Land gelassen. Die „Alternative“ war, sie abzuknallen (Methode AfD) oder an Stacheldrahtzäunen verhungern zu lassen (Methode Ungarn oder CSU), nachdem sie schon in den Lagern vergessen waren. Nun sind sie da. Drei von ihnen verübten in diesen Tagen Anschläge. Einer davon (Reutlingen) war wohl eine Beziehungstat. Das macht es für das Opfer leider nicht besser, aber von so etwas habe ich schon früher gehört. München hat, wenn man die Eltern jetzt nicht gleich in Kollektivhaftung nimmt, nichts mit dem Thema Flüchtlinge zu tun.

Bleiben also die Beilattacke von Würzburg und der Bomber von Ansbach. Bei letzterer Tat stellt sich die für mich vordringlich die Frage nach der psychiatrischen Versorgung nach zwei Suizidversuchen. Der Dritte war dann erfolgreich. Leider mussten dies viele Unschuldige mit schweren Verletzungen bezahlen. Hätte eine psychiatrische Behandlung und möglicherweise Verwahrung das verhindern können? Natürlich ja.

Allerdings: Angesichts eines immer höheren Bedarfs, nicht nur wegen „der“ Flüchtlinge, ist die psychiatrische Versorgung bei uns katastrophal. Auf Deutsch: Die Gefahr steigt, Opfer eines gewalttätigen Psychopathen, egal welcher Herkunft oder Religion, zu werden.

Würzburg macht die Sache komplizierter. Der Täter war nett und unauffällig. Er absolvierte Praktika, hatte Aussicht auf Ausbildung, war gut untergebracht und hatte weit bessere Perspektiven als der abgelehnte Asylbewerber aus Ansbach. Ausgerastet ist er offensichtlich nach Meldungen vom gewaltsamen Tod eines Freundes in Afghanistan. Selbst  wenn hierzu keine Lösung einfällt, zeigen beide Fälle doch, wie wenig pauschale Herangehensweisen weiterhelfen.

Anzunehmen ist aber, dass auf solche Täter Gewalt Faszination ausstrahlt. Im Falle des Amokläufers aus München ist dies wohl bereits belegt: Es fand sich bei ihm Literatur zum Thema Breivik und Amokläufen an Schulen. Er hatte die Stätten des Attentäters von Winnenden aufgesucht. Offensichtlich hatte er einen rechten Hintergrund und legte, nach Zeugenberichten, noch kurz vor seinem Ende Wert darauf, doch bitte „Deutscher“ zu sein. Ob der in München geborene junge Mann in seinem Umfeld eventuell einmal zu oft als „Deutsch-Iraner“ gemobbt wurde, als der er nun in die Medien einging?

Alle diese Fälle sind verstörend. Alle haben ihre Vorgeschichte, die keinerlei monokausale Rückschlüsse zulassen. Was allerdings wahrscheinlich ist, dürfte immer die Gefahr von Nachahmungstätern sein. Da sind wir bei der Rolle der Medien. Jeder Selbstmörder, der „Allahu Akbar“ brüllt, wird zum medialen Weltstar.

Das dürfte die Gefahr von Anschlägen durch kranke und/ oder traumatisierte Irre mehr befördern, als jede andere Ursache. Zumal dann, wenn sie in den Himmel kommen, der ihnen verlockend erscheint. Zumal auch der ganz und gar unreligiöse Background nicht zu vernachlässigen sein dürfte: In der Türkei erzählte mir einer ganz ungerührt, sich einen Selbstmordanschlag vorstellen zu können, wenn es seiner Familie anschließend finanziell besser ginge. Drastischer kann man den Hintergrund eines Problems kaum auf den Punkt bringen.

Aus diesem Grund darf man skeptisch sein, ob die dauernde Forderung nach mehr und längerer Berichterstattung zu Anschlägen nicht das blanke Gegenteil bewirkt. Betroffenheitsberichterstattung mit geringstem Informationsgehalt ist bestenfalls für ansonsten als Autobahngaffer auffällige Personen sinnvoll. Stundenlange Live- Berichterstattung dürfte darüber hinaus für Nachahmungstäter so etwas wie Sauerstoff zum Atmen sein.

Ebenso die Bombardierung von syrischen Zivilisten nach einem Terroranschlag in Nizza. Diese Hollandes produzieren Terroristen, für deren Opfer sie dann, wie der drohnenmordende US-Präsident, wenigstens lautstark zu beten beginnen. Der wahre Terror findet nicht in Europa, sondern dort statt, wo auch unsere Verbündeten mit unserer Hilfe den von ihnen wesentlich (mit-)verursachten Terror mit weiterem Terror vergelten.

Schnellschüsse statt Lösungen

Die politisch-mediale Debatte darüber, was tatsächlich einmal Verantwortung in einer solchen Situation bedeutet, ist nicht wahrnehmbar. „Verantwortung“ wird nicht nur von Gauck bestenfalls noch militärisch definiert und mit wohlfeilen Sprüchen von Gefährdungslagen unterlegt.

Was daher bleibt, wäre der Wunsch nach Analyse und nach weniger Hysterie in einer Gesellschaft, die für Hysterie anfällig zu sein scheint. Der Terror sei in Deutschland angekommen, wird beklagt. Ist er wohl, wie jedes Opfer tragisch zeigt. Gemessen an den Opfern findet der eigentliche Terror aber hierzulande noch immer vor allem im Straßenverkehr und in zahlreichen anderen Weltgegenden statt. Auch wenn Terror vor der eigenen Haustür schlimmer empfunden werden mag als der vor der Haustüre eines Afghanen, Irakers, Syrers oder Kurden, ist Hysterie völlig fehl am Platz.

Angestachelt wird unsere Hysterie von Polizeigewerkschaftern, Terrorexperten und Innenministern, die angesichts der realen Hilflosigkeit vor unterschiedlichen Problemlagen mit Geschwätz und Forderungen nach dem Überwachungs,- Polizei- und Militärstaat um sich schlagen. Sie sollten eigentlich merken, welch hohen Respekt plötzlich ein Münchener Polizeisprecher genießt, der nur besonnen eine Lage erläutert und die Arbeit der Polizei erklärt.

Der immer auf Schnellschüsse statt Lösungen bedachte deMaiziere, welcher sich über Panik in München ereifert, die der Polizei die Arbeit erschwere, ist dem gegenüber wesentlicher Verursacher der zunehmenden Sicherheits- und Gefährdungshysterie als Wasser auf Mühlen rechtsradikaler Kreise. Die sind momentan geradezu besoffen vor Freude über „islamistische“ Anschläge mit oder ohne islamistischen Hintergrund

Gar nicht mehr zu reden braucht man von Leuten wie CDU- Kauder, der die Produktion von Waffen und Waffenexporte aus seinem Oberndorfer Wahlkreis für großartig hält, aber eine Radikalisierung junger Menschen durch Computerspiele feststellt.

Genau ein solches Geschwätz in Verbindung mit Konzeptions- und globaler Verantwortungslosigkeit macht Terror und Amokläufe auch möglich. Weil es von den Ursachen ablenkt und von der sachlichen Debatte über Lösungen abhält.

by Jörg Tauss at 25. July 2016 09:12 AM

24. July 2016

Pirat Aleks A.

Interessante Links und Nachrichten 18.07.2016ff

by Aleks A at 24. July 2016 06:30 PM