Piraten-Planet

24. October 2014

Flaschenpost

Aus dem Nest gefallen XII

Grade eben klingelte beim Sperling das Telefon. Sein Nachbar war dran und regte sich furchtbar auf, was denn die Piraten wieder so machen würden, und die arme AfD, und endlich eine Strafanzeige … und so weiter und so fort.

Der Sperling beschloss, sich das alles mal durchzulesen. So wie es aussieht, picken ein paar echt schräge Vögel regelmäßig so lange auf irgendwelchen Servern der AfD rum, bis diese aufgehen – dann veröffentlichen sie ihre Funde (Adressen von Parteimitgliedern etc.)  an verschiedenen Stellen im Netz – mit dem Ziel, diese bloßzustellen.

Kindergarten in Prypjat

Der Kindergarten in Pripyat CC BY-NC-SA 2.0 СмdяСояd

“Moment mal”, fragt sich da der Sperling, “wieso bloßstellen? Ist die Mitgliedschaft bei der AfD etwas, für das man nicht öffentlich einstehen will?” Dem scheint so zu sein, im Gegensatz zur Mitgliedschaft bei den Piraten, derer man sich nicht (mehr) zu schämen braucht und die auch in Kleidung mit Parteilogo erkennbar ist, ist das bei der AfD anders. Nicht nur, dass man hie und da von Linksextremen angefeindet wird, auch in der Mitte der Gesellschaft regt sich Widerstand gegen die mit Geld von Banken und Industrie gestopften neo-/rechtsliberalen Besserwisser.

“Aber was hat das mit den Piraten zu tun?”, fragt ihn sein Spatz, “Das sind doch irgendwelche anderen Leute!” Nun, mit den Piraten hat das an sich gar nichts zu tun. Die Partei bietet im Rahmen ihrer Funktionen eine freien Etherpad-Server (ähnlich wie Google seine Textverarbeitung Google-Docs) zur Nutzung für Parteimitglieder und alle anderen Menschen an – unzensiert, kostenlos und ohne Schnüffelei ob der Inhalte. Und als Anbieter nach TMG auch ohne sich die Inhalte zu eigen zu machen. Die oben genannten schrägen Vögel haben u.a. diesen Etherpad-Server genutzt und die Inhalte wurden sofort nach Beschwerde durch die AfD von den Parteiservern gelöscht.

Jeder Anwalt mit einer grundlegenden Ausbildung im “Internet-Recht” weiß, dass die Partei und ihre Mitarbeiter nicht dafür verantwortlich sind. Und er weiß auch, dass Anzeigen gegen Betreiber nur einem Zweck dienen können – und zwar dem, das Geld ihres Mandanten möglichst peinlich zu verbrennen. Dieses Wissen scheint jedoch nicht bis zur AfD oder ihrem Anführer vorgedrungen zu sein, denn laut Spiegel online wurde “Strafanzeige gegen die Piratenpartei Deutschland sowie alle für den Inhalt der Webseite verantwortlichen Personen” gestellt.

Nun ja, wir sind immerhin in der Politik – da heißt es eben: “Verklagen Sie die alle, und kommen Sie mir nicht mit Fakten, ich will klagen, weil ich recht habe!” und die Realität ist egal. So werden schließlich auch hierzulande Gesetze gemacht (die dann hin und wieder das BVerfG oder der EuGH einkassiert), so wird gewählt (nachher war es keiner) und so werden auch Verträge (man nehme ein beliebiges staatliches Großprojekt) unterschrieben.

“Normalerweise”, sinniert der Sperling, “dauert es etwas, bis Parteien dermaßen in sich gefangen sind, dass sie die Realität nicht mehr kümmert”. Nun, bei der AfD geht das viel schneller. Kein Wunder, dass sie noch mehr gemieden werden, als die PDS weiland in den “Neunzigern” – nicht nur komische Gestalten mit Anklängen von Blut und Boden, auch noch verstrahlt wie der Kindergarten in Pripyat.

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by Sperling at 24. October 2014 09:55 PM

Wann ist eine eigene Meinung politisch?

Thilo W. erinnert sich an eine politische Aktion, die er gemeinsam mit anderen Studenten an der Technischen Hochschule Dresden gegen Ende der 50er Jahre unternahm

Thilo W. im Gespräch mit der Flaschenpost

Thilo W. erinnert sich an eine Aktion, die er gemeinsam mit anderen Studenten an der Technischen Hochschule Dresden gegen Ende der 50er Jahre unternahm. 45 Monate war er in politischer Haft, einen Teil davon in Isolationshaft. Auslöser war ursprünglich der Wunsch nach Meinungs- und Reisefreiheit. Einige seiner Erinnerungen hat er der Flaschenpost mitgeteilt.

Gestandene Freundschaft gab es nicht zwischen uns. Wir wollten irgendetwas machen, um nicht bloß noch zu allem Ja zu sagen. Dazu brauchten wir eine Möglichkeit, um unsere Gedanken und Vorstellungen kundzutun und zu verbreiten.

Aber zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Wiedergabe von Literatur wie heute. Du hattest eventuell eine Schreibmaschine und eine Wachsfolie. Damit konntest du Vervielfältigungen machen. Das waren Wachsbögen, in die du mit der Schreibmaschine den Wachs reingeschlagen hast: An den Stellen, wo die Buchstaben auf den Wachs geschlagen haben, fehlte das Wachs, und über ein blaues Farbband gelangte Farbe auf das Papier. Und selbst das gab es nicht. Außerdem war es streng verboten, irgendwelche Vervielfältigungen herzustellen. Das durftest du nur mit einer Genehmigungsnummer.

Um an so ein Gerät zu kommen, sind drei von uns nach Berlin gefahren. Dort gab es ein Lemmer-Ministerium. Lemmer war ein Minister in der westlichen, damals noch Bundesrepublik. Das Ministerium hatte seinen Sitz in Berlin. Die Drei haben dort vorgesprochen, ob sie so etwas kriegen könnten. Die Leute dort sagten: „Jungs, überlegt euch, was ihr hier macht. Das ist ganz gefährlich. Kommt in vierzehn Tagen wieder und schlaft erst mal drüber, ob ihr euch darauf überhaupt einlasst.“

Es war nicht so, wie das gern hingestellt wurde. Die wurden nicht abgeworben und bezahlt, damit sie gegen die DDR arbeiten. Am Ende haben wir doch das Gerät gekriegt und test-weise auf der TH einen Aufruf zu einer Protestkundgebung zehnmal abgezogen, weil die Regelungen zu den West-Reisen gelockert werden sollten, und sie auf den TH-Toiletten verteilt. Dem Aufruf folgten erstaunlich viele Studenten.

Ich war lediglich ein Helfer. Die ganz Großen haben am Ende auch bis zu zehn Jahre Gefängnis bekommen. Die große Resonanz wurde uns 1959, als wir alle in einer Nacht verhaftet worden sind, auf der Bautzener Straße kundgetan. Die wussten alles, denn es gab einen bei uns in der Gruppe, dem das entweder zu heiß wurde und der aufhören wollte.

Eine der Grundregeln war: Wer bei uns in der DDR organisiert ist und aufhören will, muss in den Westen gehen, damit hier in der DDR kein Gefahren-Potenzial dafür besteht, dass die engsten Verwandten etwas erfahren. Der hatte aber auch nicht den Trieb rüber zu gehen und sofort weiter zu studieren, sondern hat sich seinem Vater offenbart. Der wiederum hatte aber nichts weiter im Sinn, als mit seinem Sohn auf die Bautzener Straße zu fahren.

Dort ist der DDR Recht zu geben: Er konnte als Kronzeuge im Folgejahr sofort weiterstudieren, die haben ihn nicht Hals über Kopf als Gegner vernichtet, weil er irgendwann mal gegen sie stand. Ich habe vieles an dem Staatssicherheitsdienst, an dem U-Haft-Wachleuten zu schätzen gelernt, die versuchten, dir eine kleine Menschlichkeit anzutun. 

Eigentlich müsste ich dem Staatssicherheitsdienst sogar dankbar sein, dass die dort am 29. Februar 1959 zugeschlagen haben und uns alle geholt haben. Denn ich habe mir im Nachhinein durch den Kopf gehen lassen, dass unsere dann auf 13 Mann erweiterte Gruppe in der Gefahr stand, in Terrorismus auszuufern. Denn dort entstanden Gedanken, wie man Abtrünnige beseitigen kann. Am Ende wäre ich da auch nicht mehr aus diesem Dilemma herausgekommen. Wenn das damals nicht aufgeflogen wäre, wäre das in die Spalte geraten, was heute Terrorismus ausmacht. Ich muss sagen, alles, was mit Unmenschlichkeit zu tun hat, ist auch nie meine Sache gewesen.

https://flaschenpost.piratenpartei.de/files/2014/10/Wann-ist-eine-eigene-Meinung-politisch.mp3

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by salzer at 24. October 2014 02:02 PM

Micha Schmidts Blog

Free-Music-Friday: Gridline

Gridline ist ein Electronica-Projekt, dass vom Serben Predrag Grujic seit 2009 betrieben wird. Mittlerweile hat er es auf 10 Veröffentlichungen gebracht. Das neueste Album trägt den Titel “Shortlove” und erschien am 28.09.2014 unter der Lizenz CC by-nc-sa.

Die 10 Instrumental-Titel lassen sich mit Ambient, Minimal und Downtempo beschreiben, teilweise experimentell oder mit Alltagsgeräuschen garniert. Nicht unbedingt tanzbar, aber durchaus sehr gut hörbar.

Vor “Shortlove” sind folgende Alben und EPs erschienen: “Unknown Space” (2009), “Tracker” (2010), “Filling The Emptiness” (2010), “Passages & Satellites” (2010)”Evol Waves” (2011), “Background Noise” (2012), “Red Music” (2012), “Background Noise Part 2” (2013) und “Videogame” (2014).

Gridline im Netz: Facebook | Last.fm | Reverbnation | Soundcloud | Twitter | YouTube

by Micha at 24. October 2014 01:00 PM

Musik klarmachen zum Ändern

Grindline

Gridline

Gridline ist ein Electronica-Projekt, dass vom Serben Predrag Grujic seit 2009 betrieben wird. Mittlerweile hat er es auf 10 Veröffentlichungen gebracht. Das neueste Album trägt den Titel "Shortlove" und erschien am 28.09.2014 unter der Lizenz CC by-nc-sa.

Gridline - SHORTLOVE (full album) by Gridline.

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by Micha at 24. October 2014 01:00 PM

Piratenpartei Hessen

1. November: Demonstration "Glücklich ohne Überwachung" in Frankfurt

Glücklich ohne Angst

(Frankfurt/Main)  Die Piratenpartei Deutschland ruft am 1. November 2014 zu einer  Demonstration unter dem Motto »Glücklich ohne Überwachung« auf.  Hintergrund ist der andauernde Überwachungsskandal, der immer weitere Formen annimmt. Die Versammlung fängt um 12 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof mit einer Auftaktkundgebung an. Nach einem Demonstrationszug findet um 14:30 Uhr eine Abschlusskundgebung mit Reden und Live-Musik an der Hauptwache statt. Im Anschluss wird ab 19 Uhr eine Kryptoparty veranstaltet. Bei dieser wird »digitale Selbstverteidigung«, also der praktische Umgang mit Verschlüsselungssoftware, vermittelt.

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by Christian Hufgard at 24. October 2014 05:32 AM

23. October 2014

Piratenpartei BzV Schwaben

Piraten-Antrag “Verhandlungen zu CETA, TTIP und TISA aussetzen” einstimmig angenommen!

Im Bezirkstag Schwaben stimmten nach intensiver Vorarbeit unseres Bezirksrats Fritz Effenberger alle Abgeordneten aller Parteien seiner Forderung zu: Piraten, Linke, ÖDP, Grüne, Freie Wähler, FDP, Bayernpartei, SPD und sogar CSU. Hier findest Du den Antragstext und hier die Hintergründe.

Piraten wirken also auch in Augsburg und Schwaben – darum habt Ihr uns gewählt, oder?

Wenn Du Vorschläge hast, wofür sich die Piraten im Bezirkstag noch stark machen sollten, kannst Du auch selber Anträge vorschlagen:http://www.openantrag.de/schwaben

Bild: CC BY Fritz Effenberger

by andreas at 23. October 2014 09:31 PM

Blog der Berliner Piraten

Einladung zur Gebietsversammlung #GVXhain

 

Hallo Menschen aus Friedrichshain-Kreuzberg,

Wir Pirat*innen aus Friedrichshain-Kreuzberg laden am Sonntag, den 26. Oktober 2014 zur Gebietsversammlung ins Bezirksbüro G14 (Grünberger Str.14, 10243 Friedrichshain). Start ist um 13:37 Uhr. Neupirat*innen und Interessierte sind wie immer herzlich willkommen.

Die geplante Tagesordnung ist diesmal äußerst vielfältig: Zum einen gibt es die Tätigkeitsberichte der BVV-Fraktionäre und Deputierten und die Berichterstattung der Beauftragten. Zum anderen gibt es zwei Themenschwerpunkte aus dem Bezirk: die Ereignisse um die Gerhart-Hauptmann-Schule und unser geplantes Coffeeshop-Projekt.

Darüber hinaus wird den xhainer Pirat*innen die Möglichkeit geboten, sich für das Liquid Feedback des Bezirks zu akkreditieren, bzw die Akkreditierung aufzufrischen.

Unter Umständen finden auch noch Neuwahlen der Bezirks- und Finanzbeauftragten statt. Bitte denkt daran, dass Ihr für eine Akkreditierung einen gültigen Personalausweis oder einen Reisepass mit Meldebescheinigung (nicht älter als drei Monate) benötigt.

Ursprünglich war geplant, eine Akkreditierung für die Ständige Mitgliederversammlung mit auf die Tagesordnung zu setzen.
Diese Möglichkeit zur Akkreditierung wurde jedoch auf Dienstag, den 28.10.14 von 18 bis 21 Uhr ebenfalls im Bezirksbüro G14 angeboten.

Wir freuen uns über Euer zahlreiches Erscheinen.

Viele Grüße und sonnige Tage

Dirk von der Crew Grumpy14 und Matthias von der Prometheus-Crew

by Denis Sabin at 23. October 2014 06:09 PM

22. October 2014

Piratenpartei Hessen

Überlegungen zur Haushaltsaufstellung in Kommunen

Piratengedanke

Ein Piratengedanke von Michael Hentschker, Basispirat in Rosbach v. d. H.

Der jährliche Haushaltsplan fasst alle Einnahmen und Ausgaben einer Kommune, also einer Gemeinde oder einer Stadt, genauso zusammen wie die geplanten Projekte und Ausgaben. Er ist also das zentrale Werkzeug der kommunalen Selbstverwaltung. Hier werden Projekte - und damit Gestaltungsentscheidungen – in konkretes politisches Handeln gegossen.

Damit müsste die Haushaltsaufstellung ungefähr das schönste sein was ein Kommunalpolitiker tun kann. Vielleicht war es das irgendwann einmal auch. Wenn es solche Zeiten jemals gegeben hat dann sind die aber lange vorbei.

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by Christian Hufgard at 22. October 2014 07:22 PM

Musikdieb.de

Linkübersicht

Heute nur mit einem Link, aber der ist wichtig genug: "TPP: USA drängen auf verschärfte Urheberrechtsgesetze" [Gulli]

by Musikdieb at 22. October 2014 07:09 AM