Piraten-Planet

01. October 2014

Flaschenpost

Piraten in Prag bitten um Hilfe

Tschechische Piratenpartei

Tschechische Piratenpartei

Im Jahr 2011 waren es die Tschechen, die Berliner Piraten zwei Mal beim Kampf um Sitze im Berliner Parlament zu Hilfe kamen. Jetzt sind es Piraten aus Prag, die in Deutschland um Hilfe für eine Kampagne bitten, die ihnen bei der Wahl am 10. und 11. Oktober Sitze im Stadtrat bringen sollen. Denn im Vorfeld der Wahl müssen Plakate aufgehängt und Wahlzeitungen verteilt werden. Dabei ist Hilfe sehr willkommen. Wahrscheinlich lassen sich Couchsurfing-Schlafplätze organisieren – und eine Einladung zur Wahlparty ist allen Helfern ohnehin sicher.

Derzeit haben die Piraten in Tschechien drei Abgeordnete in kleineren Ortschaften. Nach den jetzt anstehenden Stadtratswahlen könnten es je nach Ergebnis landesweit 30-150 Abgeordnete werden. Die tschechischen Piraten waren die, die bei der Europawahl mit 4,78 % unglücklich an der 5%-Hürde scheiterten. Gerade 0.22% fehlten, dann hätten zwei Piraten einen Sitz im Brüsseler Parlament einnehmen können. Betrachtet man bei der Europawahl alleine das Ergebnis in Prag selbst, machen die damals erreichten 6,24 % Hoffnung für die jetzt anstehende Wahl.

Die Piratenpartei in Tschechien hat rund 400 Mitglieder, davon alleine 87 in der Hauptstadt. Ihr Programm entspricht in Teilen dem der schwedischen und der deutschen Piraten. Sprich: transparente Regierung, Bürgerbeteiligung, freie Software und der Kampf gegen Korruptionsfälle. Ein Teilen findet sich das Programm ins Englische übersetzt auf der Seite der Piratenpartei Tschechien.

Wer die Piraten in Prag beim Endspurt zur Wahl unterstützen mag, wendet sich an Mikulas Ferjencik um Details zu erfahren.

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by Michael Renner at 01. October 2014 03:35 PM

Andis Blog

Die Verwässerung des Rechtsstaatsbegriffs

tl;dr Politiker aus jeder Ecke biegen sich gerne den Rechtsstaatsbegriff so hin, wie es ihnen passt und verkehren ihn damit ins Gegenteil.

Die Linken könnten in Thüringen erstmals einen Ministerpräsidenten stellen, aber legen sich gerade selber Steine in den Weg, weil sie sich darüber streiten, ob man die DDR als Unrechtsstaat bezeichnen darf. Dies löste nun in meiner Twitter-Timeline eine Debatte über den Begriff des Unrechtsstaats aus. Und wenn man mal davon absieht, dass einige damit wohl tatsächlich versuchen, die SED-Diktatur zu relativieren (was ich jetzt nicht so prickelnd finde), stellt sich natürlich die Frage: was ist ein Unrechtsstaat?

Die Wikipedia gibt an dieser Stelle eine simple Erklärung:

Unrechtsstaat ist eine abwertend gebrauchte Bezeichnung für einen Staat, der kein Rechtsstaat ist. Es handelt sich hierbei nicht um einen juristischen, sondern um einen politischen Begriff.

Der letzte Satz ist hier erst mal wichtig, wir sind also auf einer politischen und nicht auf einer juristischen (oder akademischen) Ebene. Wir sagen also alles was kein Rechtsstaat ist, ist ein Unrechtsstaat und weil wir Rechtsstaaten halt gut finden, sagen wir damit auch, dass wir Unrechtsstaaten schlecht finden. Der Unrechtsstaat definiert sich also nicht darüber, was er ist, sondern was er nicht ist (ein Rechtsstaat).

Darüber was wiederum einen Rechtsstaat ausmacht, gibt es umfassende akademische Diskussion, aber im politischen Kontext lässt sich das Rechtsstaatsprinzip auf einen wichtigen Punkt konzentrieren: Der Staat steht nicht über dem Gesetz. Ganz im Gegenteil ist staatliches Handeln im Rechtsstaat an Gesetze gebunden, insbesondere an Gesetze, welche die Freiheitsrechte des Einzelnen vor staatlichem Handeln schützen.

Leider scheint dieser Begriff in den politischen Debatten der letzten Jahre immer weiter ausgehöhlt worden zu sein. So las ich in der aktuellen Debatte seltsame Begründung, warum die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sein soll. So sagte zum Beispiel Gregor Gysi:

Wenn ich die DDR als Unrechtsstaat bezeichne, dann erkläre ich, dass die drei Westmächte das Recht hatten, die Bundesrepublik zu gründen, die Sowjetunion aber als Antwort nicht das Recht hatte, die DDR zu gründen.

Er geht also gar nicht erst darauf ein, ob die DDR ein Rechtsstaat war oder nicht, sondern wirft eine Nebelkerze in die Richtung, ob die Gründung der DDR rechtens war oder nicht.

Noch schlimmer finde ich die Begründungen die den Tenor »Natürlich gab es Unrecht, aber nicht alles war Unrecht« unterstützen. Sie definieren den Unrechtsstaat also dahingehend, dass alles was er tut unrecht (wie auch immer man das definiert) sein muss. Und auch wenn man hier sagen kann, dass die Definition von »Unrechtsstaat« hier eine andere ist, als Replik auf die aktuelle Situation erinnert das Ganze viel zu sehr an die »im 3. Reich war ja auch nicht alles schlecht«-Argumentation mancher rechten.[1]

Andere wiederum argumentieren, dass die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sei, weil sie ein funktionierendes Rechtssystem gehabt habe, das in vielen Bereichen (gerade den politisch unverfänglichen) auch unseren heutigen Ansprüchen genügen würde. Diese Definition macht in einem rechtshistorischen Seminar vielleicht Sinn, aber nicht in einer politischen Debatte. Auch in schlimmen Diktaturen gibt es funktionierende Rechtssysteme, die in vielen Zivilsachen bestimmt auch super funktionieren, aber das reicht sicher nicht an unsere Anforderungen an einen Rechtsstaat.

Der entscheidende Punkt ist: die DDR war ein System das von Willkür, Unfreiheit und Diktatur geprägt war und damit sicher kein Rechtsstaat. Und ein solches System darf man, ja muss man vielleicht sogar zurecht auch abwertend als Unrechtsstaat bezeichnen.

Jetzt ist es aber nicht so, dass die Verwässerung des (politischen) Rechtsstaatsbegriffs, erst seit der Debatte über die DDR als Unrechtsstaat stattfindet. Vielleicht war der eigentliche Grund, warum mir dieser Blogpost so unter den Nägeln brannte, dass sich viele Konservative den Rechtsstaatsbegriff schon lange so zurecht biegen, wie es Ihnen passt. In den Debatten um Bürgerrechte, Überwachung und Rechtsdurchsetzung setzen sich schon seit Jahren konservative Politiker in Talkshows und reden immer dann vom Rechtsstaat, wenn es darum geht möglichst viele Gesetzesbrecher zu verurteilen. Sie definieren den Rechtsstaat dahingehend, dass der Staat das Recht – insbesondere das Strafrecht – möglichst effizient und effektiv gegenüber einzelnen Gesetzesbrechern durchsetzt.

Damit verkehren Sie den Rechtsstaatsbegriff vollständig ins Gegenteil. Denn wenn staatliche Ermittlungsbehörden die Bevölkerung im Geheimen auf Schritt und Tritt ausspionieren, dann entzieht der Staat dem einzelnen die Möglichkeit seine Rechte wahrzunehmen. Mit kaum einem Instrument unterhalb der offenen Willkür bricht die Politik so vehement das Rechtsstaatsprinzip wie mit der geheimen, flächendeckenden Überwachung der Bevölkerung, die wir gerade erleben.

Und so ist es gerade in dieser Zeit, besonders wichtig, dass wir uns wieder auf den Kern des Rechtsstaatsprinzip zurück besinnen und aufhören, diesen Begriff zu verwässern. Denn wenn wir ihn immer umdeuten und als Totschlag-Argument gebrauchen, wenn es uns gerade passt, dann laufen wir Gefahr morgen nicht mehr in einem Rechtsstaat aufzuwachen.


[1] Man verzeihe mir an dieser Stelle den Godwin, aber wenn man von Unrechtsstaaten spricht, ist das 3. Reich halt irgendwo naheliegend und wohl einer der wenigen klaren akzeptierten Fälle.


by Andi at 01. October 2014 02:10 PM

Flaschenpost

Medienmittwoch: Jetpack Joyride Rock Opera

Video | CC BY Jonathan Dehn

Video | CC BY Jonathan Dehn

Heute möchten wir Euch im Medienmittwoch eine kleine Rock-Oper vorstellen, die im Universum eines Spiels handelt, das wir Euch bereits gezeigt und empfohlen haben. Es geht um den Jump&Run-Hit “Jetpack Joyride”. Der Protagonist dieses Spiels trägt, wie man weiß, einen Anzug, an dem aber die Ärmel fehlen. Im heute von uns vorgestellten Video zeigt sich nun die Ursache dafür. Aber wir wollen Euch natürlich nicht spoilern.

Doch nicht nur die Aufdeckung eines kleinen Rätsels macht das Video sehenswert, auch die rockige Musik und die mit Herz gemachten Animationen erfreuen das Zocker-Gemüt. Natürlich kommt im Video jede Menge Action vor, wie es auch in den Spielen von Halfbrick Studios die Regel ist. Weiterhin wäre das Video wahrscheinlich nur halb so sehenswert, wenn nicht auch der Witz, den man bei diesen Entwicklern kennen und lieben gelernt hat, eine große Rolle spielt. Für die drei Minuten des Videos ist ein Dauerschmunzeln und einige Auflacher garantiert.

Wir wünschen Euch also viel Spass beim Sehen der Auflösung des “Ärmel-Mysterium” von Barry Steakfries ;)

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by Peter Oliver Greza at 01. October 2014 11:37 AM

Alltägliche Wahrheiten

Was kostet der Spaß?

Lobbyismus ist per se nicht schlecht. Das habe ich in den letzzten Jahren als Abgeordneter gelernt. Ohne die vielen tollen Infos von den Verbänden und Interessengruppen kann man tatsächlich keine Politik machen. Nun ist es aber ein Unterschied, ob ich mir  die Nöte von Frauen in Frauenhäusern anhöre und darauf reagiere, oder ob ich “den von Klaeden mache”. In Brüssel sind die Wirtschaftslobbyisten besonders aktiv. Das ist nichts Neues. Neu daran ist, dass wir uns jetzt auch endlich mal den Aufwand anschauen können, den die Herrschaften dort betreiben. Das ermöglicht uns die wunderbare Seite “Lobbyfacts.EU“. Klickklick und man weiß, was sich die Wirtschaft den Spaß kosten lässt, die Politik in die von ihr gewünschten Bahnen zu bringen.

Das ist doch mal zur Nachahmung bei uns empfohlen, oder? Und immer dran denken: Sharing is caring!

by Wolfgang Dudda at 01. October 2014 09:18 AM

30. September 2014

Alltägliche Wahrheiten

ÖPP – Fluch und niemals Segen

In der letzten Plenarsitzung haben wir Piraten im Landtag von Schleswig-Holstein als einzige Fraktion gegen den Neubau des Universitätsklinikums im Wege einer Öffentlichen-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) gestimmt. In der Debatte ging es ausnahmsweise nicht immer redlich zu. Uns wurde unterstellt, dass uns das Schicksal der Patienten einerlei wäre und dass wir die Dringlichkeit des nötigen Umbaus nicht erkennen würden. Im Grunde genommen hat man uns als verantwortunglos dargestellt. Wer wirklich verantwortungslos war bzw. ist, werden wir in bereits in wenigen Jahren sehen. Heute läuft die Ausschreibung aus und die Entscheidung, wer denn zu welchen Bedingungen im Wege einer ÖPP die Lizenz zum Gelddrucken für die nächsten Jahrzehnte bekommt, wird getroffen. Für die Entscheidung spielt in diesem Fall eine so genannte “Effizienrendite” die Hauptrolle. Das ist der Faktor, um den der Neubau des Universitätsklinikums Schleswig-Holsteins (UKSH) durch ÖPP vermeintlich billiger als der klassische Bau durch das Land wird. Wer dem UKSH jedoch monatlich ca. 250.000,- € wegnimmt, wie hier schon von mir dargestellt, reduziert diese Rendite erheblich. Leider darf ich an dieser Stelle nicht schreiben, was mir der kaufmännische Vorstand des UKSH auf meine diesbezügliche Frage im vertraulich tagenden Ausschuss geantwortet hat.

Durch die Geheimhaltung werden die Beteiligungsrechte und Kontrollrechte der Parlamente komplett abgeschafft. Was nützt es mir als Abgeordneten, wenn ich alles einsehen darf, über das Gesehene jedoch hinterher nicht öffentlich sprechen darf? Auch deshalb lehnen wir Piraten ÖPP bisher und weiterhin ab.

Besser als das, was Stefan Aust und Thomas Ammann für den NDR zusammengetragen haben, kann man die Gefahren und Risiken von ÖPP kaum beschreiben. Das ist ganz, ganz großes Kino! Dafür zahle ich gerne. Auch die begleitenden Infos zum Filmbeitrag in der Mediathek des NDR gehören zum Allerallerfeinsten und treffen mit der Überschrift “ÖPP sind eine teure Illusion” voll ins Schwarze. So etwas ist viel zu kostbar, als dass es nach wenigen Tagen nicht mehr für die Allgemeinheit zugänglich wäre. Deswegen musste ich das ins Internet befreien.

//www.youtube.com/watch?v=MkUJS7uEDlo

Das Statement des Präsidenten des Bundesrechnungshofs, Dieter Engels, beschreibt sehr gut, was auf uns mit ÖPP tatsächlich zukommt:

“Unsere Erkenntnisse sind die, dass – ich will es mal ganz vorsichtig formulieren – ÖPP zwar eine Finanzierungsform sein kann, aber nicht sein sollte, wenn man nicht konventionell bauen kann. Und wir stellen fest, dass es häufig vorkommt, dass man das ÖPP-Projekt etwas mehr protegiert als das konventionelle Bauen. Und dies geschieht, indem man die Vergleichsberechnungen sehr gern mal zu Ungunsten des konventionellen Bauens berechnet.”

Das Gutachten des Bundesrechnungshofes könnt Ihr Euch hier als pdf downloaden.

by Wolfgang Dudda at 30. September 2014 02:32 AM

28. September 2014

Piratenpartei Soest

Forum für Bürgerbeteiligung und kommunale Demokratie

Bürgerbeteiligung vor neuen Herausforderungen

Die NRW-Piraten haben @CaeVye und mich zur Tagung “kommunale Bürgerbeteiligung vor neuen Herausforderungen” der Stiftung Mitarbeit geschickt. Hier folgt nun der Bericht der Veranstaltung. An der Konferenz nahmen 120 Teilnehmer aus den Bereichen Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Forschung sowie Bürgerinitiativen und sonstige Interessierte und Aktive teil. Das Tagungskonzept sah wenige Vorträge, dafür aber viel Workshoparbeit mit Praxis- und Erfahrungsaustausch vor. Bereits am Freitag nach der Ankunft ging es in Arbeitsgruppen los mit der Frage: “Vor welchen wesentlichen Herausforderungen steht die kommunale Bürgerbeteiligung aus Ihrer Perspektive?”. Da die Besucher äußerst bunt gemischt waren gab es auch eine Vielzahl von Blickwinkeln und Antworten auf diese Frage.

Viele meinten, es sollen Gremien gebildet werden, in denen Beteiligung möglich ist (z.b. ein Bürgerbeirat), dabei solle aber die Formenvielfalt gewahrt und beachtet werden. Die Verbindlichkeit solcher Strukturen soll auch die Interessen der drei “Konfliktparteien” Bürger, Politik und Verwaltung ausgleichen. Weiterhin wurde geäußert, es müsse mit einer gemeinsamen Beteiligungskultur Vertrauen entwickelt werden. Das Erlernen des Umgangs mit Bürgerbeteiligung für alle Akteure wurde hier betont. Ein Trend scheint derzeit weiterhin zu sein, Leitlinien für Bürgerbeteiligung aufzusetzen.

Der Oberbürgermeister von Solingen berichtete über gemischte Erfahrungen beim Bürgerhaushalt “Solingen spart”. Kommune ist Kommunikation: Dialoge statt “Durchregieren” war die These des Vortrags des Sprechers des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Franz-Reinhard Habbel (@Habbel), der Piraten sicher gern zustimmen. Ich habe Herrn Habbel übrigens danach zur Seite genommen und kurz mit ihm über Freifunk gesprochen, der DSGB begrüßt ausdrücklich das Vorgehen von Arnsberg und wird eine entsprechende Empfehlung aussprechen.

Am Samstag standen wieder Themenwerkstätten an. Hier teilten wir uns auf, ich (Fizz) nahm gern einen Einblick in Mediationsprozesse in schwierigen kommunalen Streitfragen mit, bei dem auch erläutert wurde, wie ein solcher Prozess ablaufen kann. CaeVye war in der Projektwerkstatt, die sich mit der Frage “Bürgerentscheid kontra Bürgerbeteiligung” auseinandersetzte. Diskutiert wurde unter anderem, ob Bürgerbeteiligung auch dazu verwendet wird, Bürgerinitiativen mit ihrem Drängen auf Bürgerentscheide zu “domestizieren”. Die Ergebnisse der Projektwerkstätten wurden auf einem “Gallery Walk” den anderen Gruppen kurz präsentiert.

Am Nachmittag stand eine zweite Runde Projektwerkstätten an, CaeVye nahm an der zum Thema “Community-Organizing” teil, diese Methode scheint geeignet zu sein für Bereiche, wo es keine Strukturen mit Ansprechpartner für Politik und Verwaltung gibt. Es blieben etwas Zweifel an der Nachhaltigkeit der mit der Methode geförderten Strukturen (am Beispiel Stadteilbüro “Malstatt gemeinsam Stark” Saarbrücken Video). Dieses Projekt wurde teilweise über den Topf “Soziale Stadt” finanziert. Fizz beschäftigte sich abermals mit dem Thema Mediation, diesmal ging es um einen konkreten Fall der Akzeptanzschaffung für ein Asylbewerberheim in einem Ortsteil von Köln. Der Referent hat die Mediation einfach von sich aus begonnen, und allgemein gesagt wurden auch recht ungewöhnliche Methoden verwandt. Aber, wie man auf gut rheinisch sagt: Watt hilft hat Rescht. Auch hier wurden die Projekte danach in einer Projektbörse vorgestellt.

Prof. Roland Roth präsentierte am Sonntag die “Empfehlungen für eine verlässliche und wirksame kommunale Beteiligungspolitik”, die bei einer Tagung des Netzwerks Bürgerbeteiligung erarbeitet worden waren. Für die letzte Werkstattrunde präsentierten Vertreter von 5 Großstädten ihre Erfahrungen mit der Erstellung und Durchführung von Leitlinien für Bürgerbeteiligung, Cae war beim Workshop Bonn, Fizz beim Heidelberger.

Generell war es auch für uns ein wichtiges Vernetzungstreffen, weil Bürgerbeteiligung ein Thema für unsere kommunalen Vertreter ist. Gerade die Praxiserfahrungen aus anderen Kommunen sind wichtige Ansatzpunkte für unser eigenes kommunales Wirken. Falls ihr Rückfragen habt oder Ansprechpartner zu Bürgerbeteiligungsverfahren sucht, könnt ihr gern mit uns Kontakt aufnehmen.

Eure Cae, euer Fizz

(Dieser Bericht wurde gemeinsam von Cae und Fizz bei der Rückfahrt erstellt)

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by Fizz at 28. September 2014 06:50 PM

Piratenpartei Göttingen

Elektromobilität – Ein Erfahrungsbericht.

Am vergangenen Wochenende durfte ich für die Piraten und die Stadt Göttingen zum “HiMove” (Hildesheimer Tag der Elektromobilität) mit einem E-Up des Goetheinstituts
fahren und den Wagen das weitere Wochenende nutzen.

Foto: EMobile auf der HiMove

EMobile auf der HiMove

Ich möchte hier einen kurzen Erfahrungsbericht und meine Meinung wiedergeben.

Hildesheimer Tag der Elektromobilität

Donnerstag habe ich den E-Up übernommen, die Batterie war ca. 80% voll, nach
Fahrt nach Hause und am nächsten Tag zur Arbeit noch etwa 75% voll, da es bis
Hildesheim ca. 90km sind, habe ich den E-Up vorsichtshalber im Groner Parkhaus
aufgeladen. Die Ladung mit Menekes Stecker wollte nicht funktionieren, warum
auch immer, also nutzte ich die normale Haushaltssteckdose. Laden ist dort
gratis, der Strom ist Grün (GöStrom), aber das Parken schlug mit 5,- Euro zu
Buche, nach ca. 4 Stunden habe ich den Wagen auf den Firmenhof umgeparkt, die
25% dürften nach ca. 3 Stunden geladen worden sein. Wenn man nicht eh in der
Stadt gebührenpflichtig parken muss, ist das Aufladen dort also eher nicht so
günstig.

Nach der Arbeit fuhr ich über Landstraße nach Hildesheim im Eco Modus, d.h. bei
max 115 km/h gedrosselt (natürlich real max 100km/h auf Landstraße) und
eingeschränkter Klimaanlagenfunktion. In Hildesheim hatte ich dann noch 51km
Reichweite zur Verfügung. Beim Flugplatz gab es dann zwar Lademöglichkeiten,
aber auch nur über Schuko (normale Steckdose) und kurz, da bald der Autocorso
zum neuen Rathaus startete.

Ein Texla Model S.

Ein Tesla Model S.

Die VW E-Up waren dabei deutlich in der Mehrheit, zumeist aber auch der öffentlichen Hand gehörend. Es gab darüber hinaus einige Renault Zoe und Twizy sowie wenige Fahrzeuge anderer Hersteller, diese dafür überwiegend in Privatbesitz.

Der Corso fuhr verbrauchsarm mit Schrittgeschwindigkeit zum Hildesheimer
Rathaus, eine Strecke von 5km kostete dabei laut Anzeige nur 2km Reichweite.
Auch am Rathaus gab es Schnellademöglichkeit nur für die Glücklichen, die
entsprechende Wandler des Starkstromanschlusses dabei hatten, ich musste erst
einmal wieder mit Schuko vorlieb nehmen, bis mir jemand einen Adapter für den
Zoe lieh, damit hatte ich ca. 1,5 kw/h mehr Ladeleistung. Nach Rundgang und
kurzem Einkehren in einem Lokal hatte ich wieder 84km, für die Rückfahrt bis
Göttingen zu knapp.

E-Mobilität fördert Besuche bei den Eltern

Auf der Häfte der Strecke hätte es zwar in Seesen und Einbeck (letztere wohl mit
Schnelladung) Möglichkeiten gegeben, ich entschied mich aber dafür bei meinen
Eltern zu übernachten und in aller Ruhe in deren Garage aufzuladen.

Sonnabend musste ich arbeiten und nutzte den Wagen nur für die Fahrt zur Arbeit
und zurück. Insgesamt habe ich mit normalen Fahrmodus die Reichweite auf ca 65km
reduziert. Sonntag probierte ich die Ladesäule am Kaufpark aus,
dort gibt es u.a. das Europäische CCS Ladesystem, welches auch der E-Up
unterstützt.

Mit also ca. 30% Batteriekapazität habe ich dort den Ladevorgang gestartet, bin bei einem amerikanischen Burgerimbiss essen gegangen. Habe dort auch nicht mehr Zeit verbracht, wie ich zum Essen gebraucht habe, als ich an der Ladesäule zurück kam, betrug der Ladestand 98%! Das begeistert

Elektrisch durch den Kaufunger Wald.

Ich hab dann eine Rundfahrt von dort über Hann. Münden und durchs Fuldatal nach Kassel und von dort durch den Kaufunger Wald und Witzenhausen zurück zum Kaufpark unternommen. Das sind etwa 100km Fahrstrecke mit einigen Steigungen und Gefälle; die Restreichweite am Kaufpark betrug danach immerhin noch knapp 30km oder 22% Batteriekapazität.

Bei erneuten aufladen habe ich die Anzeige der Säule eine Weile beobachtet. Man konnte wirklich zuschauen, wie die Kapazität anstieg. Schon nach 5 Minuten betrug der Ladestand wieder 50%, nach 15 Minuten etwa 80%, erst danach wurde es langsamer, weil relativ volle Batterien nicht mehr so viel Energie auf einmal aufnehmenkönnen.

Foto: Unsere Testperson vor dem Emobil des Goeteinstitut.

Unsere Testperson vor dem Emobil des Goeteinstitut.

Mein Fazit:

Das Fahren mit dem E-Up hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Beschleunigung ist
enorm, es ist schön ruhig und vermittelt ein sicheres Gefühl. Das ist
ein gutes Argument um Menschen zum Umsteigen zu bewegen, aber zugleich
auch schlecht – ich bin eigentlich alles andere als ein begeisterter Autofahrer,
wenn es andere Menschen wie mich so begeistert, werden die öffentlichen
Verkehrsmittel möglicherweise eher weniger genutzt.

Grundsätzlich bin ich dennoch der Meinung, dass der Umstieg von Autos mit
fossilen Brennstoffen auf Autos mit Elektroantrieb die Umweltprobleme nur etwas
lindert, da auch für Elektroautos enorme Ressourcen benötigt werden. Sinnvoller
als ein Elektroauto ist immer noch gar kein Auto, also möglichst weitgehend
darauf verzichten, es nur nutzen wenn es nötig ist. Insofern ist der Einsatz
der Elektroautos bei unseren Car Sharing Organisationen sinnvoll. Hier sind sie für viele Meneschen erschwinglich und gleichzeitig nutzen Car Sharer Autos wohl eher nicht für die täglichen Fahrten zu Arbeit, Supermarkt ect.

Über den Verfasser

Andreas Knopf ist beruflich im Verkeht unterwegs und  Verkehrsexperte der Piraten Ratsfraktion.

by AS at 28. September 2014 06:54 AM